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Die Verblendung hat ihre Grenzen

Finanz und Wirtschaft, 10. August 2016 - Die Liquidität und die Suche nach Rendite sorgen am Markt für Verblendung. Doch das Beispiel Ghana kann nun alle Beobachter, denen der Appetit des Marktes grenzenlos erschien, beruhigen. Anfang August ging das Land, vertreten vor allem durch seinen Finanzminister, auf die Anleger zu.

Ghana wird seit April 2015 vom IWF unterstützt mit dem Ziel, das Haushaltsdefizit einzudämmen und den Verfall der Währung aufzuhalten. Die Volkswirtschaft dieses westafrikanischen Staates hängt nach wie vor stark vom Erdölpreis ab. Das Finanzministerium zeigte sich zuversichtlich. Tatsächlich machen sich im Steuerbereich Fortschritte bemerkbar, doch einige Faktoren trüben das Bild. So wurde das Steuerdefizitziel für die ersten fünf Monate nicht erreicht (2,5% statt 2,2 %), und die Wahlen im Dezember sind für politische Überraschungen gut.

Abgesehen davon darf die Zentralbank kraft eines neuen Gesetzes nur noch 5% der Staatsausgaben finanzieren. Das ist zwar besser als die bisherigen 10%, aber noch weit entfernt von der IWF-Empfehlung von 0%. Der Zeitpunkt – wenige Wochen vor der dritten Überprüfung des IWF-Kreditprogramms über 918 Mio. $– ist ungünstig und schürt Misstrauen. Moody’s benotet Ghana nach wie vor mit B– mit negativem Ausblick und weist auf die Last der Schulden (63% des BIP, voraussichtlich 70% bis Jahresende), auf die geringe Schuldentragfähigkeit Ghanas, seinen hohen Schuldendienst in Fremdwährung und die mangelnde steuerpolitische Flexibilität hin. All dies hält Investoren nicht davon ab, Ghana Geld zu leihen – jedoch nicht zu allen Bedingungen. Der potenzielle Dissens mit dem IWF und die Steuerprobleme haben die Zehnjahresrendite Ghanas über 10% angehoben. Das gilt auf dem Markt zwar als akzeptabel für eine neue Anleihe, aber nicht für Ghana. Angesichts des ungünstigen Zeitpunkts und der Kluft zwischen Angebot und Nachfrage hat das Land auf eine Neuemission verzichtet, gleichwohl betont es seine «konstruktiven Kontakte» zu den Anlegern und schliesst eine Platzierung zu einem «günstigeren Zeitpunkt» nicht aus. Bis dahin sollte Ghana auf den IWF zugehen und guten Willen zeigen – andernfalls sind akzeptable Konditionen nicht zu bekommen.

Von Catherine Reichlin, Leiterin Finanzanalyse, Mirabaud & Cie. Artikel publiziert in der Finanz und Wirtschaft am  10. August 2016.

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