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Gute Vorsätze auf dem Weg zur Hölle

Finanz und Wirtschaft, 18. Juni 2016 - Während die Europäische Zentralbank (EZB) fast alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um das Wachstum, die Inflation und das Finanzsystem zu unterstützen, werden nun Nebeneffekte ihrer sehr akkommodierenden Politik spürbar.

Ihr Kaufprogramm umfasst monatliche Anleihenkäufe in Höhe von 80 Mrd. €. Eine Grenze bildet hier die Rendite, die oberhalb von –0,4% liegen muss. Eine verstärkte Risikoscheu und die Befürchtung eines möglichen Brexit wirken sich zusätzlich auf die Anleihekäufe der Zentralbanken aus. Diese Entwicklungen haben ein so starkes Streben nach Sicherheit ausgelöst, dass die deutsche Renditekurve weitgehend negativ geworden ist. Die Zehnjahresrendite ist unter die 0%-Marke gefallen und Bundesanleihen mit Laufzeiten bis 2022 rentieren bereits unterhalb der Ankaufgrenze von –0,4%. Von den 1,1 Bio. €, die der Bloomberg-Index für deutsche Staatspapiere enthält, kommt somit ein Volumen von über 500 Mrd. € nicht mehr für Ankäufe infrage.

Um das Tempo zu halten, ist die deutsche Bundesbank namens der EZB folglich gezwungen, Anleihen mit immer längeren Laufzeiten zu kaufen, was die Renditen dieser Papiere weiter drückt. Für Anleger wird die Lage problematisch, was die starke Aktivität am US-Primärmarkt zum Teil erklären könnte. In diesem Quartal wurden bereits fast 330 Mrd. $ emittiert, sodass der bisherige Rekord von 383 Mrd. $ im zweiten Vierteljahr 2015 eingestellt wurde. Die Syndizierungen fördern die Zunahme der Kapitalströme aus Europa. Die solide Nachfrage erlaubt es den Unternehmen, sich zu niedrigen Konditionen Geld zu leihen. So konnte etwa das Sportbekleidungsunternehmen Under Armour mit der Bonitätsnote BBB– den Emissionsbetrag trotz rückläufiger Zinskonditionen um 0,4 % aufstocken. Wenn der Preis der Anleihe seither steigt, so nur weil die US-Renditen sinken. Die Kreditprämie ist jedoch leicht gestiegen, was belegt, dass die aktuellen Bedingungen sehr mässig sind. In Europa hat die EZB mit dem Kauf von Unternehmensanleihen begonnen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Konditionen für neue Anleihen als sehr knapp oder als zu knapp bemessen erweisen.

Von Catherine Reichlin, Leiterin Finanzanalyse, Mirabaud & Cie. Artikel publiziert in der Finanz und Wirtschaft am 18. Juni 2016.

Die in diesem Artikel vertretenen Ansichten sind jene von Mirabaud im Zeitpunkt seiner Publikation. Diese Präsentation dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keinesfalls ein Angebot oder eine Anlageberatung dar. Für den Inhalt dieses Artikels, welcher jederzeit  ändern kann, leistet Mirabaud keine Gewähr.