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Eröffnung einer Niederlassung in London: für Yves Mirabaud ist der Britische Markt «von Zentraler strategischer Bedeutung»

Mit dem Erhalt einer Banklizenz für ihre Londoner Niederlassung verstärkt die Mirabaud-Gruppe ihre Präsenz auf dem britischen Markt und erweitert ihr Dienstleistungsangebot beträchtlich. Yves Mirabaud, Geschäftsführender Senior-Gesellschafter, äussert sich zu dem strategisch bedeutsamen schritt in einer Zeit, in welcher der «Brexit» für ein gerüttelt Mass an Unsicherheit sorgt.

Fast 30 Jahre Präsenz in London

Seit fast drei Jahrzehnten ist die Mirabaud-Gruppe auf dem wichtigsten Finanzplatz der Welt präsent und hat in dieser Zeit ihre Aktivitäten systematisch ausgebaut. Mit der Aufnahme des Brokergeschäfts im Jahr 1990 haben die damaligen Gesellschafter einen ersten wichtigen Schritt über den Ärmelkanal getan, ehe mit der Eröffnung der zwei anderen Geschäftsfelder der Gruppe, Asset Management und Wealth Management, eine deutliche Verstärkung von Mirabauds Präsenz auf der Insel erfolgte. Die kürzlich erhaltene Banklizenz ist daher der natürliche Schlusspunkt dieser Entwicklung, an dessen Ende Mirabauds Londoner Niederlassung nun ganz offiziell als Bankinstitut anerkannt ist. Die Niederlassung in London vervollständigt das Dienstleistungsangebot von Mirabaud & Cie (Europe) SA, die in Luxemburg registriert und bereits mit Filialen in Frankreich und Spanien auf dem europäischen Kontinent vertreten ist.

Ein strategisch wichtiger Markt

Yves Mirabaud, geschäftsführender Senior-Gesellschafter, unterstreicht, dass die Bank, die seinen Namen trägt, ihre britischen Kunden bereits seit geraumer Zeit mit Finanzdienstleistungen und Anlagelösungen beim Vermögensaufbau unterstützt. «Die Eröffnung einer Niederlassung in London versetzt uns in die Lage, diesen Kunden künftig noch hilfreicher zur Seite zu stehen», erklärt er. «Für die Gruppe ist der britische Markt von überragender strategischer Bedeutung. Indem wir mit einem Bein fest in Europa verankert sind und mit dem anderen in den Ländern der angelsächsischen Welt, öffnen sich für ein Finanzinstitut wie das unsrige die Tore einer Vielzahl von bedeutsamen Märkten.» Da London zudem der wichtigste Finanzplatz in Europa wie der gesamten Welt ist, wäre dies bereits Grund genug, an diesem Ort Präsenz zu zeigen. Darüber hinaus bietet diese zentrale Finanzdrehscheibe ideale Rahmenbedingungen für alle, die im Bereich Vermögensverwaltung und Finanzdienstleistungen tätig sind. «Die vor Ort vertretenen Finanzakteure bilden eine extrem eng verschweisste Interessengemeinschaft, die ihren Finanzplatz entschlossen nach aussen verteidigt», so Yves Mirabaud weiter.

Zugleich lokaler und globaler aufgestellt

Die Eröffnung einer Niederlassung in Grossbritannien fügt sich ein in eine wohl überlegte Wachstumsstrategie, die darauf abzielt, den Kunden der Mirabaud-Gruppe ein möglichst breit gefächertes Angebot an Dienstleistungen in den wichtigsten Ländern Europas bieten zu können. Das Ausgreifen der Gruppe nach London, inklusive Erhalt der Banklizenz, dient dem Ausbau der eigenen Bankkompetenzen in Europa und ist nach der Eröffnung einer Filiale 2014 in Luxemburg, auf die 2015 zwei weitere in Frankreich und Spanien folgten, nur der nächste logische Schritt. Einer, der sich in Anbetracht der engen historischen Verbindungen zwischen Mirabaud und dem global führenden Finanzplatz im Grunde genommen wie von selbst ergeben hat. Dies umso mehr, da vor Ort bereits verschiedene Teams erfolgreich für die Gruppe tätig waren, die auf allen drei Geschäftsfeldern des Konzerns ein stabiles Wachstum erwirtschaften konnten. «Da die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied keinen direkten Zugang zu den europäischen Märkten hat, müssen die Schweizer Banken mit lokalen Niederlassungen vertreten sein, um ihren Kunden vor Ort besser dienen zu können», erklärt Yves Mirabaud.

«Und um ehrlich zu sein, haben diese Kunden natürlich wenig Interesse daran, für ihre Bank ins Ausland zu fahren, so dass sich nur schon deshalb die Eröffnung einer lokalen Zweigstelle aufdrängt. Denn nur so können wir Ansprechbarkeit und eine noch umfassendere Dienstleistungspalette garantieren. Künftig können wir in London also nicht nur als Verwaltungs- und Depotstelle, Darlehens- oder Kreditgeber tätig sein, nein, unsere Vermögensverwalter können sich ab jetzt das gesamte Dienstleistungsangebot der Gruppe nutzbar machen und so den Kunden exakt auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen unterbreiten. Momentan steht daher der weitere Ausbau unserer Präsenz im Vordergrund, in London und anderswo, und die gezielte Nutzung der Synergien, die sich zwischen unseren verschiedenen Niederlassungen und den drei Geschäftsfeldern ergeben. Die grösste Herausforderung hierbei ist jedoch kultureller Art: Denn die Arbeitsweise in London, Genf oder Paris unterscheidet sich teils beträchtlich», weiss Yves Mirabaud zu berichten.

Wodurch Schweizer Banken im Ausland punkten

Für schweizerische Bankinstitute ist der Aufbau einer Präsenz im Ausland zu einem obligatorischen Aspekt ihrer Geschäftstätigkeit geworden, da es schlicht unmöglich ist, vom Schweizer Hauptsitz aus sämtliche Aktivitäten in anderen Ländern zu koordinieren. Seit einigen Jahren kann man daher vermehrt beobachten, wie die helvetischen Bankhäuser Niederlassungen auf den wichtigsten Finanzplätzen in Europa eröffnen, meistens über den Zwischenschritt einer Filialgründung in Luxemburg, gefolgt von Ablegern in weiteren Ländern. Der Beweggrund hierfür ist jeweils derselbe: Es geht darum, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, insbesonders gegenüber den lokalen Mitbewerbern.

«Was die Schweizer Banken gegenüber der ausländischen Konkurrenz auszeichnet, ist ihr ausgesprochener Sinn für individuellen Service, ihr Reaktionsvermögen sowie das Verständnis auch für komplexeste Anforderungen», unterstreicht Yves Mirabaud. «Die Kleinheit unseres Heimatlandes hat uns Schweizerinnen und Schweizer schon immer dazu animiert, über die Landesgrenzen hinaus zu blicken – was sich im Vermögensverwaltungsgeschäft darin äussert, dass wir ausgewiesene Experten für Diversifizierung und Internationalisierung sind. Dies ist ein Wettbewerbsvorteil, der uns vor allen anderen auszeichnet. Eine Eigenheit unserer schweizerischen Kultur entpuppt sich damit als ausgesprochener Geschäftsvorteil», erklärt der geschäftsführende Senior-Gesellschafter, nicht ohne eine Spur Stolz in der Stimme.

Im Schatten des «Brexit»

Der Ausbau der eigenen Geschäftsaktivitäten in Grossbritannien, nachdem das Land so überraschend für den «Brexit», den Austritt aus der Europäischen Union, gestimmt hat, mag einigen als ziemliches Wagnis erscheinen. Doch den geschäftsführenden Senior-Gesellschafter der Mirabaud-Gruppe scheint dieses Ereignis nicht aus der Ruhe zu bringen. Im Gegenteil, fast schon scheint er gegenüber dieser Abstimmung eine typisch britische Gelassenheit an den Tag zu legen – eine Haltung, die er nach eigenem Bekunden an den Bewohnern der Insel besonders schätzt.

« ‹Brexit› hin oder her, wir müssen einfach in London präsent sein, um unseren Kunden den bestmöglichen Service bieten zu können. Daran ändert auch der Volksentscheid vom Juni 2016 nichts. Am Morgen nach der Abstimmung sind die Finanzmärkte noch in helle Aufruhr geraten – nur um sich schliesslich darüber klar zu werden, wie robust die britische Wirtschaft in Tat und Wahrheit ist. So war es in dieser bewegten Zeit auch vor allem die Psychologie, die meiner Meinung nach den Ausschlag gab. Zwar ist es richtig, dass Grossbritannien in letzter Zeit auch vom globalen Aufschwung profitieren konnte, der sich in allen Märkten gleichzeitig abgezeichnet hat. Und doch bin ich mir sicher, dass der Finanzplatz London immer bleiben wird, was er heute ist: ein Ort der Stärke, der in vielerlei Hinsicht eine Schlüsselposition in der Weltwirtschaft einnimmt.» 

Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Grossbritannien noch zwei Jahre lang Mitglied der EU sein wird. Der weitere Verlauf hängt ganz vom Ergebnis der Austrittsverhandlungen mit Brüssel ab. Die einzige wirkliche Unsicherheit sieht Yves Mirabaud im Zusammenhang mit dem freien Dienstleistungsverkehr zwischen Grossbritannien und Europa. «Die Verhandlungen beginnen gerade erst, da bleibt uns also noch etwas Zeit. Folglich ist es für irgendwelche Vorhersagen zu früh. Dafür fehlt derzeit einfach jede Basis. Ausserdem sind die Engländer ganz schön gerissen. Sie haben sich hier vielleicht selbst ins Knie geschossen. Doch in den Kopf werden sie sich sicher keine Kugel jagen!», ist Yves Mirabaud überzeugt.

Und fügt hinzu: «Letzten Endes wird der ‹Brexit› wohl eher juristische als wirtschaftliche Folgen haben. Doch wie auch immer das Ganze ausgehen wird, wir werden uns daran anpassen – so wie unser Haus das schon immer getan hat. In den zwei Jahrhunderten, die es Mirabaud nun schon gibt, haben wir insgesamt über 50 grosse und kleinere Finanzkrisen mehr oder weniger heil überstanden. Ich bin also zuversichtlich, dass uns das auch in Zukunft gelingen wird. Und sollte es Grossbritannien gar gelingen, bessere Abkommen mit der EU zu schliessen, als dies der Schweiz gelungen ist, täte unser Land gut daran, sich davon inspirieren zu lassen... »