Neuerung

Spindrift 2 verändert sich für die Jules Verne Trophy

Interview mit Antoine Carraz, Entwicklungsverantwortlicher bei Spindrift racing. Er stellt die Änderungen vor, die an der Spindrift vorgenommen wurden.

Mit welchen technologischen Hilfsmitteln haben Sie die Geschwindigkeit der Spindrift 2 berechnet? Und wie haben Sie daraus die erforderlichen Änderungen abgeleitet, wie etwa die Verkürzung des Masts?

Wir haben mit verschiedenen Softwareprogrammen herumgetüftelt. Dabei haben wir erkannt, dass wir das Gewicht des Bootes durch die Verkürzung des Masts verringern können – bei gleichzeitiger Verbesserung seiner Performance. Zur Ermittlung der theoretischen Geschwindigkeit eines Bootes dient eine Software namens Velocity Prediction Programme (VPP – Leistungsvorhersage). Diese Software erlaubt es, die Geschwindigkeit des Bootes in Abhängigkeit von der Stärke des Windes und von dessen Winkel zum Boot zu simulieren. Vor seiner Verwendung führten wir jedoch eine aero- und hydrodynamische Studie durch. Dazu setzten wir zusätzliche Softwareprogramme ein, die das Verhalten des Bootes im Wasserbecken und im Windkanal simulierten.

Haben sich diese Tools in den letzten Jahren stark verändert, insbesondere verglichen mit der Zeit, als das Boot ursprünglich entworfen wurde?

Ja. Die Tools haben sich erheblich verändert, vor allem dank der gesteigerten Computerleistung. Vorher war man auf Versuche in Schiffskörperbecken oder Windkanälen angewiesen. Das war sehr kostspielig und kompliziert. Heute kommt man auf rein digitale Weise zu denselben Ergebnissen.

In welchen Bereichen hat sich die Technologie in den letzten Jahren am stärksten weiterentwickelt, sodass ein Projekt wie jenes von Spindrift racing für die Jules Verne Trophy davon profitieren kann?

In vielen Bereichen, allen voran bei den Werkstoffen – Karbon, Titan –, die beim Bau eines Bootes und bei der Herstellung seiner Segel eingesetzt werden. Im Gegensatz zu früher ist alles viel leichter und widerstandsfähiger geworden.

Da wir heute sehr viel mehr über Verbundwerkstoffe wissen, insbesondere seit ihrer Verwendung in der Luftfahrt, konnten wir das Gewicht jedes einzelnen Elements des Trimarans deutlich verringern. Mittels Strukturanalysesoftware stellten wir die Sicherheitskoeffizienten optimal ein und reduzierten so das Gesamtgewicht des Bootes. Die Materialien entwickeln sich laufend weiter.

Sind die erhofften Gewinne bei der Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit messbar? Wenn ja, mit welcher Genauigkeit?

Die Geschwindigkeitsgewinne werden zuerst dank der VPP-Software theoretisch ermittelt. Sie erlauben es uns, die grundlegenden technischen Entscheidungen zu treffen. Bei Fahrten auf dem Wasser erfasst eine Messstation sämtliche Parameter des Bootes. Daraufhin analysieren die Ingenieure alle diese Daten, um die Geschwindigkeitsgewinne zu ermitteln und gegebenenfalls technische Änderungen einzuleiten. Die Messinstrumente sind extrem fortschrittlich. Ihre Fehlerquote liegt unter 1%.

Inwiefern kann ein Projekt wie jenes von Spindrift racing für die Jules Verne Trophy die technologische Weiterentwicklung fördern und anschliessend Innovationen in der Freizeitschifffahrtsbranche ermöglichen?

Boote wie die Spindrift 2 gibt es nur wenige. Und bestimmte Systeme werden auch in Zukunft dem Wettkampfsegeln vorbehalten bleiben, vor allem weil sie in ihrer Handhabung enorm komplex sind. Doch viele Elemente, wie etwa die Segelstoffe, das Seilwerk und die Energiesysteme, werden in einigen Jahren auch auf den Freizeitbooten zu finden sein.